Kulturschock ist Geil

4. Februar 2013

Holter die polter, rattern die Rollkoffer über Berlins Straßen. Unter den Straßen donnern die U-Bahn Züge durch dunkle Katakomben. Beides gehört irgendwie zusammen und auf beiden Ebenen begegnet man sie, die Touristen dieser Stadt, die Völker die nachts heimlich anreisen und tagsüber den Kulturschock erleben wollen.  Die ganze Stadt lebt von Touristen.

Es gibt eine Internetseite, deren Motto lautet: „Weniger Tourist, mehr Berlin –

Entdecke die Hauptstadt mit den Augen eines Einheimischen!“. Puh! Das nenne ich mal eine Ansage. Gleich danach folgt ein Blog-Eintrag vom Horst Krzbrg und Berghain. Das nenne ich Blasphemie und bringt gleichzeitig ein Paradoxon mit sich, von einem Blog das über Berlins Clubszene berichtigt. Haben es die Berliner nötig sich offenkundig abzukapseln? Nein!
Zählt man alle Tagesbesuche in Berlin zusammen, so kommt man im Durchschnitt auf 5 Millionen Gäste pro Tag in Berlin. Die Clubszene profitiert davon enorm. Fast alle renommierten und bekannten Clubs, sind erstes Ziel vieler Neuankömmlinge. Den sogenannten Berliner Underground gibt es schon lange nicht mehr. Doch selbst damals, kurz nach der Wende gab es Clubstätten wie E-Werk, Bunker, Wahlfish oder Tresor, die Touristen aus aller Welt zu verzeichneten – nur nicht so viel wie heute. Heute haben wir viel mehr Clubstätten zur Auswahl. Ich hab den Eindruck, dass viele Clubs ihre eigenen Stammgäste aufweisen. Avanciert sich ein Club oder Veranstaltungsort zu einer Kultstätte, sind die Touris nicht fern.

Wir sind Partyhauptstadt Nummer 1, aber haben es die Berliner auch so gewollt? Wenn Berlin aus Rund 70 % zugereisten Einwohnern besteht, werden jene, die nur Mittelfristig Berlins als ihre Heimat ansehen, sich einen Käse daraus machen, was aus dem feucht fröhlichen Berlin in 20 Jahren wird. Vor einigen Jahren kam schon der Vergleich zum Ballermann Tourismus auf und erste Parallelen wurden gezogen. Wenn über 50 % der Clubs, abhängig von Touristen sind, bleibt die Frage, ob es dann noch gelingt einen neuen musikalischen Nährboden schaffen, aus dem eine Weiterentwicklung des Kulturgutes Techno machbar ist. Ausreichend kreative Geister hat die Stadt genug und täglich kommen neue hinzu, nur diese benötigen auch Platz für eine freie Entfaltung. Gerade dieser Platz wird mehr und mehr enger.

Fakt ist, Berlin braucht den Tourismus. Berlin braucht aber auch Platz für Neues und mutige Köpfe denen es gelingt ihre Künste auszuleben.

Kolumne by SM

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