KO:YU auf der Suche nach der perfekten Festivalstimmung

26. Juli 2018

Minimal, Techno, Trance und Hardstyle, die Vielfältigkeit der elektronischen Musik ist grenzenlos. Einer der die Houseszene geprägt hat, ist Deniz Koyu, bekannt unter dem Synonym KO:YU. Auf dem Airbeat One Festival in Neustadt Glewe hat er die Mainstage eröffnet und wir haben ihn ganz kurz nach seinem Auftritt auf der Mainstage zum Interview getroffen.

Wie war es die Mainstage heute zu eröffnen?

Das war mal etwas ganz anderes, weil ich wirklich komplett von Anfang an gespielt hab, also wirklich die Besucher gerade reingekommen sind. Und deswegen habe ich drauf geachtet, dass ich erstmal ein bisschen Warmup gemacht und due Leute dann langsam in Stimmung gebracht habe. Am Anfang habe ich erstmal ein bisschen Housemusik gespielt, ein bisschen ruhiger und auch ein bisschen langsamer. Das macht auch mal Spaß. Es ist ein bisschen was anderes als wenn man mittendrin spielt und dann direkt Gas gibt. Das Set war auch 1,5 Stunden, normalerweise ist ein Festivalset ja eher eine Stunde. Es hat super Spaß gemacht und in der letzten halben Stunde habe ich dann auch noch meine eigenen Sachen gespielt.

Es ist mittlerweile der dritte Festivaltag, waren die Leute schon sehr durch?

Ja, das habe mich etwas gemerkt. Man musste sie etwas wachrütteln.

Wie ist denn der Unterschied zwischen Auftritten in der Nacht und Auftritten bei Tageslicht?

Bei den meisten Festivals, da gehen die Leute erst richtig auf wenn es dunkel wird. Dann kommen die Leute so richtig in Stimmung. Meine Lieblingsstimmung ist aber auf Festivals die Sonnenuntergangsstimmung. Das ist immer eine besondere Zeit. Hier auf dem Festival habe ich aber das Gefühl, hier wollen die Leute direkt Gas geben. Die warten nur drauf.

Bist du vor großen Auftritten noch aufgeregt?

Aufgeregt nicht unbedingt, eine positive Aufregung aber nicht in Richtung Nervosität. Eher in die Richtung, dass ich mich drauf freue. Manchmal ist nur ein kleiner Hauch von Aufregung da, wenn es eine etwas größere Crowd ist. Ganz los wird man die Aufregung nie.

Was wäre denn dein Notfallplan, sollte während eines Sets mal Stromausfall sein?

Da kann man ja eigentlich nichts machen, wenn Stromausfall ist, dann ist Stromausfall. Dann kann ein MC weiterhelfen. Die können ein bisschen improvisieren und dann fällt ihnen irgendwie was ein. Aber als DJ ist es eher schwierig, da muss man hoffen, dass der Strom ganz schnell wiederkommt und einen coolen Übergang finden, wo man die Leute abholen kann. Aber normalerweise geht das.

Du bist wieder viel unterwegs, jetzt demnächst wieder beispielsweise in Asien. Hast du denn Unterschiede in der Feierkultur festgestellt?

Ich habe früher sehr viel in den USA gespielt, in den letzten 4 bis 5 Jahren. Das war eigentlich immer so mein Standort Nummer 1. Ich habe in Las Vegas sehr viel gespielt, eine Residency gehabt, viel auch in New York, Miami, LA usw. Da ist so die richtige Raverkultur. Da ist der Kern. Sie kleiden sich auch entsprechend. Die leben das komplett.

Wie sieht es in Deutschland aus – geht es da eher zurück?

Ich habe das Gefühl, dass es vor 2012 verloren gegangen ist. Dann haben es die Raver wieder gelernt und sich von den USA inspirieren lassen, durch Musikvideos und Festivaltrailer. In den letzten 2,3 Jahren hat sich die Ravekultur auch in Deutschland wieder weiterentwickelt. Ist schon super wie die Leute hier feiern. Wenn ich das allerdings nochmal mit Asien vergleiche, da ist es nochmal was anderes. Dort sind die Leute grundsätzlich schüchtern und ein bisschen introvertiert. Die Asiaten haben allerdings eine Schwäche beim Umgang mit Alkohol. Das ist glaube ich sogar medizinisch bewiesen. Wenn sie einmal anfangen zu trinken, dann haben sie kein Limit mehr. Die gehen dann direkt steil. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen Auftritt in Singapur im Zouk, einer der angesagtesten Clubs der Welt. Das war erst nach 1 Uhr. Meine Settime war von 1:30 bis 3 Uhr. Ich bin um 1 Uhr zum Club gefahren und auf dem Weg zum Club, habe ich schon die Alkoholleichen vor dem Club gesehen. Aber ansonsten feiern sie wirklich sehr gut, wenn sie einmal auf Betriebstemperatur sind.

Wo holst du dir Inspiration für neue Musik?

Das Wichtigste ist der Kontakt mit anderen DJ Kollegen und Produzenten. Das man sich in ein Umfeld begibt, wo man von außen automatisch Inspiration bekommt. Ein anderer Weg sind Kollaborationen, die mache ich sehr gerne. Ich habe zum Beispiel mit Alesso zusammen einen Remix gemacht. Außerdem habe ich jetzt ganz neu zusammen mit Galantis gearbeitet. Das ist so ein Prozess, man arbeitet mit Leuten zusammen und bekommt automatisch Inspiration. Man kann sich gegenseitig Feedback geben.

Gibt es jemanden mit dem du gerne nochmal zusammenarbeiten würdest?

Die Liste ist unendlich lang, es kommt darauf an ob Sängerin, Sänger, DJ oder Produzent. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es Skrillex.

Gibt es einen Ort wo du gern nochmal auflegen würdest?

Ich habe schon bei vielen Traumlocations aufgelegt. Coachella wäre allerdings wirklich ein Traum. Ich war noch nie als Gast da und habe da auch noch nicht gespielt. Ich habe auch schon ein paar Mal im Dschungel in Südamerika aufgelegt, auch eine beeindruckende Erfahrung.

Wie sieht denn dein perfekter Tag aus?

Ich habe ganz gerne Vielfalt. Einen perfekten Tag, das ist für mich fast unmöglich. Der müsste mehr als 24 Stunden haben. Ich liebe es im Studio zu sein, zu produzieren und kreativ zu sein. Ein Tag ist gut für mich, wenn ich ins Bett gehen kann und etwas Kreatives geschaffen habe und mir das am nächsten Tag anhören und Freude daran haben kann.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg. Einen Höreindruck von KO:YU gibt es HIER.